USCH Georgsmarienhütte.
Dass Deutsche manchmal glauben, die Austauschschüler Patrik Stonjek, Jan Vogel und Martin Heinzel kämen aus einem Land der Dritten Welt, hat sie während ihres inzwischen fast ein Jahr dauernden Sprachaufenthalts in Deutschland am meisten überrascht. „Einmal wurde ich sogar gefragt“, berichtet Patrik Stonjek, „ob wir denn in Tschechien schon heißes Wasser hätten.“
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Bleiben noch bis Juni am Gymnasium Oesede (von links): Patrik Stonjek, Martin Heinzel und Jan Vogel. Foto: Osterfeld
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Dabei, so sind sich die drei 19-Jährigen aus dem drei Kilometer von der polnischen Grenze im nördlichen Böhmen liegenden Narott einig, sind die Unterschiede in den Lebensverhältnissen der Bürger der beiden Staaten der Europäischen Union eher marginal. „Auch bei uns finden sich genügend Jugendliche“, so sagte etwa Jan Vogel, „die jede freie Minute am Computer oder vor dem Fernseher verbringen.“
Die drei sind seit August vergangenen Jahres bei Gastfamilien in GMHütte. Sie nutzen den einjährigen Austausch vorrangig zum Erlernen der deutschen Sprache, nehmen aber an der Europaschule Gymnasium Oesede ganz normal am regulären Unterricht teil. Damit sie nicht zu viel Zeit in ihrer Muttersprache verplaudern können, wurden sie in unterschiedliche Parallelklassen integriert. Die elften Klassen, die sie hier besuchen, hatten sie in ihrer Heimat schon einmal abgeschlossen. |
„Aber trotzdem ist manches, was wir im Unterricht lernen, neu. Denn einige Dinge, etwa im Mathematikunterricht, stehen bei uns erst in den kommenden Jahren auf dem Lehrplan“, sagt Patrik Stonjek. Obwohl er wie auch Jan Vogel und Martin Heinzel auch an Klausuren teilnehmen, ist für die drei nur wichtig, dass sie die Abschlussprüfung in Deutsch im kommenden Monat bestehen.
Von den teuren Lebenshaltungskosten in Deutschland überrascht, arbeiten die 19-Jährigen inzwischen bei einer Gärtnerei, um ihr Taschengeld aufzubessern. Mit längerer Verweildauer in Deutschland und besseren Sprachkenntnissen schlossen sie auch rasch Kontakte zu ihren Mitschülern. Patrik Stonjek trainiert außerdem Fußball beim Hagener Sportverein, und Jan Vogel spielt Posaune in der Big Band des Gymnasiums.
Was ihnen während der neun Monate hier am ehesten aufgefallen ist, sind die Unterschiede im Schulsystem. „Hier wird im Unterricht sehr viel mündlich gestaltet“, stellt Jan Vogel fest, „während bei uns eher stumpfes Pauken angesagt ist.“ Eine Mischung aus den beiden Methoden fänden die drei am besten.
Sie denken, dass es deutschen Schülern an Grundwissen mangele. „So hat mich eine Mitschülerin beispielsweise einmal gefragt, ob Tschernobyl nicht in Tschechien liege“, berichtet etwa Martin Heinzel, und Patrik Stonjek erzählt die Anekdote, dass er einmal gehört habe, dass aus der Tschechoslowakei die Staaten Tschechien und Slowenien hervorgegangen seien. |